Das Interview
Interviewpartner: Jens Goergens, Leiter der Zertifizierungsstelle, Prokurist und Bereichsleiter Energie, Umwelt und Entsorgung bei der SVG Zert
Interviewer: Könnten Sie uns zunächst Ihre Rolle und Ihren beruflichen Hintergrund näherbringen?
Jens Goergens: Gerne. Ich bin Leiter der Zertifizierungsstelle und Prokurist bei der SVG Zert. Zudem bin ich Bereichsleiter für Energie, Umwelt und Entsorgung. Beruflich habe ich einen Abschluss als Ingenieur für Chemische Technik mit dem Schwerpunkt Umweltschutz. Vor meiner Tätigkeit bei der SVG Zert hatte ich vier Jahre Erfahrung in einer Umweltbehörde. Seit Ende 1998 bin ich nun bei der SVG Zert – das ist schon eine ganze Weile her.
Interviewer: Welche Schwerpunkte setzen Sie aktuell in Ihrer Arbeit?
Jens Goergens: Meine Arbeit konzentriert sich auf die Bereiche Energie, Umwelt und Entsorgung. In den letzten Jahren hat sich vor allem der Kompetenzverlust durch den Generationswechsel bemerkbar gemacht. Zudem ist ein steiler Anstieg einfacher Verwaltungsarbeiten festzustellen.
Interviewer: Welche Themengebiete und Aufgaben machen Ihnen besonders Spaß?
Jens Goergens: Mir machen alle fachlichen Aufgaben und die Arbeit mit den Menschen und Normen Spaß. Der sehr hohe bürokratische Aufwand gehört zwar auch dazu, ist aber weniger spannend. Viele Unternehmen sind mittlerweile überdrüssig, was die ständigen Regelungen betrifft, und entscheiden sich dazu, aufzuhören – weil immer neue Anforderungen und Auflagen hinzukommen. Hinzukommt dass der Anstieg der Fixkosten nicht mehr zum Erlös passt.
Welche Themen werden in den nächsten Jahren besonders relevant?
Interviewer: Gibt es bestimmte Themen, die Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren besonders relevant sein werden?
Jens Goergens: Ja, ganz klar die Themen Umwelt, Energie, Nachhaltigkeit, IT-Sicherheit und Arbeitssicherheit. Diese Bereiche werden immer weiter forciert. Die Reaktionen unserer Kunden und Partner auf diese Veränderungen sind vielfältig. Viele haben Personalprobleme und versuchen, mit den Anforderungen Schritt zu halten. Allerdings sind sie oft sehr spät damit konfrontiert, nicht weil sie kein Interesse hätten, sondern weil sie einfach nicht genügend Personal haben, um sich mit diesen Veränderungen auseinanderzusetzen.
Interviewer: Wo liegen Ihrer Meinung nach die größten Chancen – technologisch und strategisch?
Jens Goergens: Die größten Chancen liegen immer darin, erst einmal Fachpersonal zu haben. Gerade in den Bereichen Umwelt, Energie, Arbeitssicherheit und IT-Sicherheit gibt es viele Perspektiven. Die Zertifizierung hilft Unternehmen dabei, sich auf diese Themen einzustellen – oft über die „Hintertür“, wie man so schön sagt.
Interviewer: Gibt es konkrete Beispiele für Veränderungen in Ihrem Unternehmen?
Jens Goergens: Ja, zum Beispiel unsere Marktpositionierung. Wir wollen am Markt eine Marke sein – und diese weiter ausbauen. Wir investieren in Marketing und neue Softwarelösungen, um unsere Prozesse zu strukturieren und mehr vom Papier in die digitale Welt zu bringen. Das bringt zwar viele Vorteile, aber auch Nachteile, wie Abhängigkeiten und sehr hohe IT-Kosten mit sich.
Interviewer: Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Fachbereichs oder Ihrer Branche?
Jens Goergens: Solange es Gesetzte, Normen und unsere Kunden gibt, werden wir immer Arbeit haben. Gesetze, Normen und gesetzliche Veränderungen sorgen dafür, dass wir immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt werden. In einigen Gesetzen, wie zum Beispiel dem Energieeffizienzgesetz oder der 45.BImSchV, sind bereits explizit Verpflichtungen zur Einführung von Energie-/ bzw. Umweltmanagementsystemen gefordert. Die Banken spielen dabei eine wichtige Rolle, insbesondere im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit – sie suchen nach Absicherung.
Was liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen?
Interviewer: Gibt es ein Thema, das Ihnen persönlich besonders am Herzen liegt?
Jens Goergens: Ja, der Respekt vor unseren Kunden. Sie leisten großartige Arbeit und müssen sich täglich neuen Herausforderungen stellen. Es ist wichtig, dass wir ihnen helfen, ihre Pflichten bestmöglich zu bewältigen.
Interviewer: Vielen Dank für das Gespräch. Gibt es noch etwas, das Sie ergänzen möchten?
Jens Goergens: Gerne. Unsere Kunden leisten sehr viel und erhalten dafür nicht genügend Anerkennung. Sie haben u.a. sehr hohe Mautkosten, müssen CO2-Steuer zahlen und stehen unter enormem Druck. Parallel dazu steigen die anderen Fixkosten ebenfalls stark an. Diese entstehenden Kosten werden leider nur zum Teil durch deren Auftraggeber mitgetragen.
Wir suchen derzeit händeringend nach Nachwuchs, der in Zukunft meine Aufgaben übernehmen kann. Es ist nicht leicht, aber wir bleiben optimistisch. Externe Mitarbeiter haben sich als wertvoll erwiesen – sie passen hervorragend zu unserer „SVG-Familie“.
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