Susanne Reich ist seit September 2024 in der Rolle der Auditprogrammleitung im Bereich Qualitätsmanagement (QM) bei der SVG ZERT tätig – einem auf Spedition und Logistik spezialisierten Zertifizierer. Mit über 25 Jahren Erfahrung in der Branche, zunächst als Lead-Auditorin und nun in übergeordneter Funktion, blickt sie auf ein breites Tätigkeitsspektrum und eine sich wandelnde Branche. Im Interview spricht sie über ihre aktuellen Aufgaben, Herausforderungen und die Zukunftsaussichten im Zertifizierungswesen.
Frage: Frau Reich, können Sie sich kurz vorstellen?
Susanne Reich: Gerne. Ich heiße Susanne Reich, bin 41 Jahre alt, verheiratet und habe eine Tochter. Seit Juli 2013 bin ich bei der SVG Zert tätig. Zunächst elf Jahre als Lead-Auditorin und bin nun seit September 2024 Auditprogramm- und Bereichsleiterin im Bereich Qualitätsmanagement. Meine Aufgaben umfassen die Planung und Steuerung von Zertifizierungsverfahren, die Erstellung von Auditprogrammen, die Kalkulation von Angeboten sowie die Koordination der Auditoren – in Abstimmung mit meinem Kollegen Herrn Goergens. Zudem bin ich Ansprechpartnerin für die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) und Mitglied im Zertifizierungsausschuss der SVG Zert.
Frage: Wie hat sich Ihre Rolle im Vergleich zu früher verändert?
Susanne Reich: Früher war ich klassisch als Lead-Auditorin unterwegs – im Feld, bei Kunden, vor Ort. Das war sehr abwechslungsreich, aber auch sehr reiseintensiv. Jetzt bin ich stärker in der Administration und Planung tätig. Es ist ein komplett anderer Fokus, aber ich mag diese strukturelle Arbeit sehr. Man kann mich durchaus als Strukturmensch bezeichnen – Chaos macht mich wahnsinnig. Jetzt kann ich endlich aus Chaos Ordnung schaffen – und das jeden Tag.
Frage: Was sind Ihre größten Herausforderungen in dieser Rolle?
Susanne Reich: Die manuelle Arbeit. Wir überwachen knapp 400 ISO-Verfahren – und das alles mit Excel und selbst erstellten Listen. Wir haben zwar eine Datenbank, aber die Unterstützung ist begrenzt. Es wäre natürlich wünschenswert, dass man auf ein Knöpfchen drückt und alle offenen Punkte auf einen Blick sieht. Aber das ist nicht der Fall. Stattdessen muss ich mir meine Informationsquellen selbst aufbauen. Klar, das ist aufwendig – aber es macht mir auch Spaß, weil ich sehe, dass es funktioniert.
Frage: Welche Rolle spielt die Digitalisierung in Ihrem Arbeitsalltag?
Susanne Reich: Im Moment noch eine untergeordnete. Aber das soll und muss sich mit der Einführung einer digitalen Lösung / Plattform ändern. Wir sind aktuell in der Aufbauphase, haben aber schon sehr interessante Optionen für uns ausgelotet. Mit der neuen Lösung und einer einfach gestalteten Web-Lösung für unsere Auditoren und Auditorinnen wollen wir die Auditprozesse digitalisieren, effizienter gestalten und uns von der Papierflut verabschieden.
Frage: Welche Themen beschäftigen Ihre Kunden aktuell am meisten?
Susanne Reich: Der Kostendruck in der Speditionsbranche ist enorm. Gerade kleine Unternehmen stehen unter Druck, da sie oft mehrere Zertifizierungen erfüllen müssen – etwa ISO 9001 und SQAS –, obwohl sie nur eine Handvoll Mitarbeiter haben. Gleichzeitig sehen wir bei größeren Unternehmen eine zunehmende Multi-Normen-Zertifizierung: Energiemanagement, Arbeitssicherheit, Umwelt – oft laufen vier bis fünf Systeme parallel.
Frage: Welche Trends beobachten Sie auf dem Markt?
Susanne Reich: Eines ist klar: Zertifizierungen sind zum Muss geworden. Gerade in Ausschreibungen ist eine ISO 9001 oder ISO 14001 oft die Voraussetzung, um überhaupt in die engere Auswahl zu kommen. Zudem wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger – sowohl aufgrund gesetzlicher Anforderungen als auch aus Sicht der Kunden. Das Energieeffizienzgesetz spielt hier eine große Rolle, und viele Unternehmen müssen sich neu aufstellen.
Frage: Wie sieht es mit der Revision der ISO 9001 aus?
Susanne Reich: Die Revision wird voraussichtlich im Herbst 2026 veröffentlicht. Der Fokus wird stärker auf Nachhaltigkeit und Klimawandel liegen – Themen, die wir bereits in der aktuellen Fassung finden, aber in der nächsten Version noch stärker ausgebaut werden. Viele Kunden haben noch nicht damit begonnen, sich mit den Änderungen auseinanderzusetzen, was aber auch an der dreijährigen Übergangsfrist liegt. Dennoch rechne ich mit einem erhöhten Aufklärungsbedarf, sobald konkrete Inhalte bekannt werden.
Frage: Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß?
Susanne Reich: Der Austausch mit den Kunden. Ich komme selbst aus der Branche – bin gelernte Speditionskauffrau und Verkehrsfachwirtin – und kann mich daher gut mit den Kunden austauschen. Es geht nicht immer nur um das Angebot oder die Zertifizierung. Gerade in Zeiten von Kostendruck und wirtschaftlicher Unsicherheit ist es oft auch wichtig, einfach mal zuzuhören, Potenziale aufzuzeigen oder Erfahrungen auszutauschen.
Frage: Wie bewerten Sie die Zukunftsperspektiven für Ihre Kunden und den Markt?
Susanne Reich: Zertifizierungen werden weiterhin ein Muss bleiben – nicht nur aufgrund gesetzlicher oder behördlicher Anforderungen, sondern auch als Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, die ISO 9001 oder 14001 nachweisen können, haben einfach bessere Chancen in Ausschreibungen und bei der Kundenakquise. Und je größer die Unternehmen werden, desto mehr Normen werden ins Portfolio aufgenommen – oft auch, um sich von der Konkurrenz abzuheben.
Vielen Dank, Frau Reich, für das offene und informative Gespräch. Ihre Einblicke in die Zertifizierungsbranche, die Herausforderungen und Chancen der Zukunft sowie Ihre persönliche Perspektive als Auditprogrammleitung waren sehr wertvoll. Wir wünschen Ihnen und Ihrem Team bei SVG Zert viel Erfolg bei der Umsetzung der anstehenden Projekte.
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