SVG Zert: Mitarbeiter im Interview, heute mit Volker Gauer

 

Volker Gauer ist Auditor bei der SVG ZERT und seit über 30 Jahren in der Logistikbranche unterwegs – als Verkehrsfachwirt, Führungskraft und heute als Lead-Auditor (Zertifizierer). Im Interview spricht er über die Herausforderungen der Zertifizierung, den Wandel der Branche und warum Qualität für viele Unternehmen nicht aus Überzeugung, sondern aus Notwendigkeit kommt.

 

Frage: Herr Gauer, vielen Dank, dass Sie sich Zeit nehmen. Können Sie sich kurz vorstellen?

Volker Gauer: Gerne. Ich arbeite seit 2017 bei der SVG ZERT in Frankfurt. Davor habe ich eine Ausbildung zum Speditionskaufmann und in der Folge zum Verkehrsfachwirt mit Schwerpunkt Speditionsunternehmen absolviert und war dann über 30 Jahre in der Speditionsbranche tätig – in Deutschland und Luxemburg, in unterschiedlichen Unternehmen und an verschiedenen Standorten. 

Diese Erfahrung habe ich mit in meine jetzige Tätigkeit als Auditor genommen. Meine Schwerpunkte liegen auf Qualitätsmanagement, HACCP und der Norm DIN EN 12522 – speziell für die Möbeltransportbranche.

 

Frage: Wie sieht Ihr Arbeitsalltag als Auditor aus? 

Volker Gauer: Meistens bin ich unterwegs – bei der Kundschaft vor Ort oder im Homeoffice. Ich bin eher der Einzelkämpfer, auch wenn ich hin und wieder Präsenztage in Frankfurt habe. Die klassische Arbeit besteht aus der Vorbereitung, Nachbereitung und Durchführung von Audits – das ist der größte Teil meiner Arbeitszeit. 

Wir haben zwar ein Backoffice, aber bei der SVG ZERT ist es so, dass wir Auditoren unsere Audits selbst planen – von der Hotelbuchung über die Auswahl des Verkehrsmittels bis hin zum Schreiben der Berichte. Das macht die Arbeit zwar komplexer, aber auch interessanter.

 

Frage: Was macht Ihnen an Ihrem Beruf Freude? 

Volker Gauer: Ich sage mir immer: Mein Beruf muss mir Freude machen, sonst mache ich ihn nicht gerne. Und das ist auch ein wesentlicher Faktor, den man sich verinnerlichen sollte. Die Arbeit im Rahmen der Zertifizierung bringt mich mit sehr unterschiedlichen Menschen zusammen – das ist für mich ein großer Gewinn. 

Man hat nicht immer dieselben Gesichter vor sich. Jeder Tag bringt eine andere Arbeitswelt mit sich. Und die selbstständige Arbeitsweise ist mir besonders wichtig – das muss einem auch liegen.

 

Frage: Wie beeinflussen Kundenanforderungen die Zertifizierung? 

Volker Gauer: In den letzten Jahren haben sich die Anforderungen der verladenen Wirtschaft deutlich verschärft. Viele Unternehmen kommen auf uns zu, weil sie Zertifizierungen benötigen, um den Anforderungen ihrer Kunden gerecht zu werden. 

Das ist manchmal frustrierend – ich schätze, dass nur etwa 10 Prozent der Unternehmen Zertifizierung als Alleinstellungsmerkmal nutzen. Der Großteil tut es aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, um bei Ausschreibungen berücksichtigt zu werden. 

Aber: Viele erkennen erst im Nachhinein den echten Mehrwert – dass man interne Abläufe optimieren kann, dass man sich besser darstellt. Das ist meistens nicht der Ausgangspunkt, aber es kommt mit der Zeit.

 

Frage: Wie unterscheiden sich kleine und große Unternehmen in der Zertifizierung? 

Volker Gauer: Bei kleinen Unternehmen mit fünf bis zehn Mitarbeitern ist es oft so, dass derjenige, der das Managementsystem betreut, gleichzeitig andere Aufgaben wahrnimmt. So war es auch in meinen früheren Betrieben. 

Bei größeren Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern gibt es oft eigene Teams, die sich ausschließlich um diese Themen kümmern. Aber das heißt nicht, dass kleine Unternehmen abgehängt werden – das glaube ich nicht. Die Normen gelten für alle gleich, und auch kleine Unternehmen können sie umsetzen – sie brauchen nur manchmal etwas mehr Unterstützung.

 

Frage: Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und KI in der Zertifizierung? 

Volker Gauer: Nachhaltigkeit wird immer wichtiger – nicht nur in der ISO 14001, sondern auch in anderen Normen. Die neue ISO 9001, die nächstes Jahr erscheint, wird Nachhaltigkeit und Klimawandel stärker in den Fokus rücken. Das ist ein großer Wandel, der sich in den letzten Jahren abgezeichnet hat. 

Auch das Thema KI spielt eine Rolle. Ich glaube, viele unterschätzen, wie sehr wir schon damit konfrontiert sind. Manches nutzen wir schon als selbstverständlich – aber es braucht eine bewusste Auseinandersetzung.

 

Frage: Welche Herausforderungen sieht die Branche in der Zukunft? 

Volker Gauer: Die größte Herausforderung ist das Nachwuchsproblem. Der klassische Auditor ist kein Ausbildungsberuf – man erlangt die Qualifikation über eine Ausbildung oder ein Studium. Junge Auditoren zu finden ist schwer. Bei uns im Unternehmen liegt der Altersschnitt deutlich über 50 – das ist bei anderen Zertifizierern nicht anders. 

Der erste junge Auditor, der Mitte 30 ist, durchläuft gerade seine Hospitation – eine Ausnahme in der Branche. Die meisten Auditoren sind einfach älter. Das ist ein Riesenproblem, das wir mit gezieltem Recruiting bekämpfen müssen. Irgendwann löst sich die Branche sonst einfach auf.

 

Frage: Wie sieht es mit der Digitalisierung aus? 

Volker Gauer: Wir bekommen gerade eine neue Software, unser neues Hauptprogramm, mit dem wir künftig auch während der Audits den Bericht direkt schreiben können. Das wird uns schneller machen und auch Einsteigern helfen, souveräner aufzutreten. 

Routine ist gut – aber man kann auch mal etwas vergessen. Deshalb ist die Software eine sehr vernünftige und gute Weiterentwicklung. Etwas, was wir unseren Kunden immer wieder mit auf den Weg geben: Prozesse optimieren, um am Markt besser bestehen zu können – das gilt auch für uns als Zertifizierer.

 

Frage: Abschließend: Was wünschen Sie sich für die Zukunft? 

Volker Gauer: Ich wünsche mir einfach, dass mehr potenzielle Mitarbeiter sich finden – weil es eine sehr interessante Tätigkeit ist. Man muss aber auch das Reisen mögen – das ist nicht jedermanns Sache. Wir verbringen viele Stunden auf der Autobahn, im Zug oder im Flugzeug. 

Work-Life-Balance ist ein wichtiges Thema – aber für unsere Branche nicht immer vereinbar. Wir müssen in Präsenz sein, können unsere Kunden nicht komplett remote auditieren. Das ist eine Herausforderung, mit der wir leben müssen. 

 

Vielen Dank für das Interview!

Fazit 

Herr Gauer zeigt, wie facettenreich und anspruchsvoll die Arbeit eines Auditoren ist. Seine Erfahrung macht deutlich: Zertifizierung ist mehr als ein Stempel – sie ist ein Prozess, der Unternehmen weiterbringt. Gleichzeitig steht die Branche vor großen Herausforderungen – vom Nachwuchsmangel bis hin zur Digitalisierung. Doch mit der richtigen Einstellung und einem klaren Blick in die Zukunft bleibt sie ein Beruf mit Perspektive.

Volker Gauer

Lead-Auditor
 

Tel.: 0172 4034915
v.gauer@svg-zert.de

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